Zaza – Ein Lichtblick

Eingekerkert und gezwungen auf den rostigen Betten zu liegen, fiel es mir schwer einzuschlafen. Samson und Brauni, von dem man bis dato noch nicht viel mitbekommen hatte, schien es ähnlich zu gehen. Man hörte ächzen, stöhnen und ein leises Hämmern. Hämmern? Wir schreckten auf. Es kam von einer kleinen Holzluke in der Wand, die sich nun öffnete.

Wir hörten eine leise Mädchenstimme. Es war Zaza, die kleine Blonde, die uns schon zu Beginn der Fahrt aufgefallen war. Wegen ihrer Designerklamotten und ihrem damenhaften Auftreten hatten wir sie für eine Diva gehalten. Doch als ihr schmales Gesicht in der Luke auftauchte, war der überhebliche Ausdruck weg. Sie hatte geweint. Auch sie war eingeschlossen worden, aber ihr Zimmer war noch kleiner als unseres, fast wie eine Abstellkammer.

Zaza war der einzige Lichtblick an diesem Tag. Ich konnte sie sogar ein bisschen trösten. Bis es dumpf an unsere Flurtüren pochte und eine Männerstimme unheimlich laut schrie, dass jetzt absolute Stille herrschen sollte.

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Eingesperrt und hungrig

Spätestens jetzt hatten wir gemerkt, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Intuitiv durchsuchte ich meine Taschen nach meinem Handy: Da ist es doch bei meinen Eltern besser als hier, in diesem Verließ. Doch ich konnte mein Handy nicht finden, genauso wenig wie Samson. Die Aufseher hatten uns in einem unaufmerksamen Moment die Handys geklaut!

Ihr könnt euch vorstellen, wie geschockt wir waren. Da saßen wir: eingesperrt, ängstlich und hungrig. Denn seit unserer Ankunft hatten wir noch nichts zu Essen bekommen. In uns stieg die Panik hoch. Ich versuchte mich zu beruhigen, legte mich wieder in das zu kleine Bett. Oder besser: ich legte mich in das, was für uns im „Haus am See“ als Bett vorgesehen war.

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Wie ich Samson kennen lernte

Das ist Samson. Samson Dundee.

Mit Samson und Brauni teilte ich in diesen Tagen der Angst ein Zimmer. Zu Brauni erzähle ich später mehr, erstmal zu Samson und dem Zimmer, das wir drei uns teilten. Zimmer konnte man es eigentlich gar nicht nennen. Es war eine Zelle. Eine Gefängniszelle. Die Betten waren uralte, viel zu schmale und zu kurze Eisenpritschen. Ich passte gerade noch so hinein, aber Samson hatte so seine Probleme.

Samson war zwar sehr schmal, aber auch sehr groß. Er hatte lange stelzenartige Beine, auf denen er sich immer nur ganz langsam fortbewegte. Das sah sehr lässig aus und wirkte nicht unelegant. Ich muss gestehen, dass ich ihn ein bisschen beneidete. Im Gegensatz zu mir, hatte Samson schon eine sehr tiefe Stimme und einen muskulösen Oberkörper. Dagegen ich mit meinen roten Haaren und meinem Kindergesicht!

Samson bemerkte mein Argwöhnen allerdings nicht. Oder er schaute einfach drüber hinweg. Er war immer freundlich und zurückhaltend. Während unserer Gespräche vergaßen wir fast, wo wir waren. Aber das sollte nicht lange andauern, denn als Samson merkte, dass er seine Badetasche auf der Toilette vergessen hatte, wollte er nochmal kurz raus. Da merkten wir, dass sie uns eingeschlossen hatten.

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Das „Haus Am See“

Als wir im Feriencamp ankamen, das sich Haus am See nannte, wurde mir blitzartig klar: Die Busfahrt war nur der Anfang, es würde noch schlimmer kommen. Der Bus fuhr durch ein rostiges Eisentor in ein umzäuntes Gelände, einen holprigen Weg entlang, durch einen verwilderten Park und hielt dann auf einem moosbewachsenen Platz vor einer brüchigen Fassade. Was war das? Ein Sanatorium kurz vor dem Abriss? Eine baufällige Pension?

Innen sah es noch übler aus, als die Außenfassade erwarten ließ. Möbel wie aus dem Sperrmüll, überall Staub und Schmutz, abblätternder Verputz, ein Gestank nach Moder und Fäulnis. Sobald wir mit unserem Gepäck drinnen in einem finsteren Vorraum standen, schloss einer der Aufpasser das Portal ab und steckte den Schlüssel ein. Dem Begriffsstutzigsten wurde bald klar, wir waren isoliert, von unserer vertrauten Welt abgeschnitten. War man einmal im Haus, kam man nicht mehr heraus. Alle Fenster waren vergittert, die Türen nach draußen verschlossen. Es sah so aus, als müssten wir auf Gedeih und Verderb unsere Sommerferien, sechs Wochen, sechs lange Horrorwochen hier durchstehen.

Nur ganz am Anfang ließen uns die Aufpasser für eine kleine Weile im Haus toben. Einige unterhielten sich, andere lachten. Zwei, drei rauften, veranstalteten eine kleine Prügelei. Wieder andere inspizierten das Haus. Wenige Stunden dachten wir, es sei alles gar nicht so schlimm. Dann schimpften die Vier Aufpasser aber jeden Einzelnen so aus, dass wieder diese unheimliche Ruhe eintrat. Angst breitete sich aus. Angst vor Bestrafung.

Und wie sich herausstellen sollte, war das keine unbegründete Angst: Während wir nichts Böses geahnt hatten, hatten sie unser Gepäck gefilzt, hatten uns Scheren Feilen, andere Gegenstände aus Metall und gemeinerweise auch unser Essen, Süßigkeiten und Powerdrinks weggenommen. Ich verstand den Grund für all das nicht. Wieso war ich hier? Und warum waren die Aufpasser so gebieterisch und angsteinflößend? Noch konnte ich ja nicht ahnen, welche Ungeheuerlichkeit hinter all dem steckte…

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Ein normales Ferienlager – oder doch nicht?

Meine Eltern haben mich damals in ein Ferienlager nach Starnberg verschickt. Verschickt wie ein Paket. Meine Eltern sind ungemein erfolgreich. Uns gehören Zementmischwerke, Baufirmen, eine Supermarktkette. Meine Eltern haben es sozusagen geschafft. In erster Linie kümmerten sie sich um ihre Betriebe, in zweiter Linie um ihre Betriebe, in dritter Linie um ihre Betriebe. Zuletzt kam ich. Bis diese Sache passierte…

An Feriencamps war ich gewöhnt. Ich wusste, wie lästig es war, dass man da mit lauter Mädchen und Jungs zusammengewürfelt wurde, die man nicht kannte. Aber irgendwann geht es einigermaßen spaßig zu, man muss zwar lernen, hat aber auch freie Zeit.

Beim Starnberger Camp herrschte schon auf der Hinfahrt eine Stimmung wie auf einem Gefangenentransport. Unübertrieben. Vier Aufpasser schnauzten uns im Bus an, sobald wir nur ein Wort mit unserem Nachbarn sprachen. Wir durften noch nicht einmal essen oder trinken! Ein kleiner dicker Rothaariger hinter mir protestierte: „Sie dürfen uns nicht so behandeln.“ Doch der Aufpasser schrie zurück: „Wir dürfen noch ganz andere Dinge!“

Die Situation war nicht normal. Unter normalen Umständen hob nach der ersten Phase des Fremdelns auf so einer Fahrt lautes Geschnatter an, fröhliches Gelächter und Gegacker. Stattdessen herrschte von da an im Bus ein anstvolles, eisiges Schweigen.

Kurz bevor wir im geheimnisvollen „Haus am See“ ankamen, machte ich noch mit meiner Handy-Kamera eine Aufnahme aus dem Bus. Ich konnte noch nicht wissen, dass dies für lange Zeit der letzte Anblick einer realen Welt sein sollte…

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Hallo Welt!

Ein Jahr ist vergangen. Und erst jetzt finde ich den Mut niederzuschreiben, was damals passierte. Eine ganz ungeheuerliche Geschichte, die niemand glauben wird, etwas völlig Verrücktes, eine Wahnsinnsbegebenheit. Ich bin in große Gefahr geraten, in eine Gefahr, die sich ein normaler Menschenverstand gar nicht vorstellen kann.

Hier erzähle ich, was wirklich passierte – im „Luna Park“.

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